Standpunkt Dr. Fritz Brechtel: Thema Energie
Global denken - lokal handeln!
Auf dem Energiesektor hat diese Aussage eine besondere Gültigkeit. Die drastische Erhöhung der Energiepreise im vergangenen Jahr hat die Zusammenhänge und Abhängigkeiten deutlich vor Augen geführt. Derzeit sind die Preise zwar relativ niedrig, aber tendenziell ist auch in den kommenden Jahren von höheren Energiepreisen auszugehen. Umso wichtiger ist es, die Potenziale zur Energieeinsparung zu nutzen, als auch die Nutzung regenerativer - in dem Sinne: regionaler Energien - voranzutreiben.
Was kann der Landkreis tun?
Der Kreis verfügt insbesondere mit den kreiseigenen Schulen über zahlreiche große Gebäude mit einem hohen Energiebedarf. Im Rahmen der Umorganisation der Kreisverwaltung wurde daher ein eigener Bereich Gebäudemanagement eingerichtet. Eine seiner ersten Aufgaben war eine Bestandsaufnahme über den Stand der Technik und die Identifizierung von Einsparmöglichkeiten. Die meisten Gebäude wurden ja in den 70er und 80er Jahren errichtet. Auf dieser Grundlage liegt ein Konzept zur Sanierung vor, das in den nächsten Jahren Stück für Stück umgesetzt wird. Die Zielsetzung: Weniger Energieverbrauch bei gleich bleibendem oder besserem Nutzungskomfort.
Was kann die Kommunalpolitik tun?
Die Verwaltungen und die Stadt-, Verbands- und Ortsgemeinderäte sind in aller Regel zu dem Thema Energie sensibilisiert. Sowohl in die Planungen von Neubaugebieten als auch beim Aufbau und der Erneuerung von Nahwärmenetzen werden die Gesichtspunkte mit einbezogen. Ein Beispiel ist die Heizanlage in der Stadt Wörth, die mit Holzhackschnitzeln aus dem Bienwald befeuert wird. Sie versorgt zuverlässig mehrere große Gebäude und über 800 Wohneinheiten mit Wärmeenergie. Wichtig ist in dem Zusammenhang auch die Akzeptanz bei der Bevölkerung für einzelne Energieträger. Zuletzt hat sich dies im Zusammenhang mit der Diskussion um eine Anfrage zum Bau eines Kohlekraftwerks auf der Insel Grün in Germersheim gezeigt.
Was kann jeder Einzelne tun?
In den Verbandsgemeinden und Städten werden im Rahmen der Energieberatung regelmäßig Informationen weitergegeben. Ein Augenmerk liegt dabei auf der grundsätzlichen Einsparung von Energie durch technische Neuerungen oder einfach auch durch Änderung von Verhaltensweisen. Immer mehr private Haushalte nutzen zudem regenerative Energien. Ende 2008 waren zum Beispiel über 1.000 Photovoltaikanlagen im Kreis installiert. Sie liefern etwa für 2.000 Vier-Personen-Haushalte Strom. Knapp 2.000 Haushalte nutzen zudem Solarkollektoren zur Warmwassererzeugung.
Was können Unternehmen tun?
Für viele Industriebetriebe sind die Energiekosten neben den Material- und Personalkosten eine der höchsten Ausgabenpositionen. Im Landkreis Germersheim haben wir einen AK Energie & Wirtschaft initiiert, in dem seit vier Jahren die Unternehmen aus dem Landkreis mit dem höchsten Energiebedarf zusammenarbeiten. Das Ziel: Die Steigerung der Effizienz bei der Energienutzung, die Realisierung von technischen Möglichkeiten und das Identifizieren von gemeinsamen Handlungsfeldern. Energiekosten sind definitiv ein Stand-ortfaktor und um den müssen wir uns von politischer Seite auch bemühen. Die Unternehmen arbeiten an dem Thema allein schon unter Kostengesichtspunkten aktiv an Verbesserungsmöglichkeiten.
Wie sieht die Zukunft aus?
Die konventionellen Energieträger wie Gas, Öl und Kohle werden uns noch einige Jahrzehnte begleiten. Erfreulich ist, dass die Wirkungsgrade der techni-schen Anlagen besser und der Schadstoffausstoß geringer wird. Trotzdem liegt die Zukunft bei regenerativen und alternativen Energieträgern. Im Landkreis Germersheim verfügen wir bei zirka 40 Prozent Waldfläche, um bei einer nachhaltigen Bewirtschaftung und bei der Struktur zahlreicher Ortsgemeinden Anlagen kleinerer und mittlerer Größe zu realisieren. Bei weiteren zirka 40 Prozent landwirtschaftlicher Nutzfläche birgt auch die Biomasse aus Abfällen aus der Landwirtschaft ein gewisses Potenzial.
Sehr viel versprechend sind die Ansätze im Bereich der Tiefengeothermie; nach allen Prognosen und Erkundungsbohrungen hat hier der Oberrheingraben besondere Möglichkeiten. In Landau ist das erste Kraftwerk im Betrieb und an mehreren Stellen im Kreis sind potenzielle Felder identifiziert. Der große Vorteil hierbei: bei Grundlastversorgung ist ein CO-2 freier Betrieb möglich. Für die Windenergie hat der Kreis in enger Abstimmung mit den Gemeinden ein Konzept für mögliche Standorte erstellt. Wir haben eine Lösung umgesetzt, die auf eine breite Akzeptanz trifft.
Mein Bild für die Zukunft: Landkreis Germersheim - ein Landkreis voller Energie!
Herzlichst, Ihr
Dr. Fritz Brechtel

